26 - Die Sklavenkarawane by May Karl

26 - Die Sklavenkarawane by May Karl

Author:May, Karl [May, Karl]
Language: deu
Format: epub
Published: 2011-07-01T22:00:00+00:00


ELFTES KAPITEL

Schwarz und Pfotenhauer

Als der ‚Vater des Storches‘ zu seinem Boot zurückgekehrt war, hatte er nicht mit dem Aufbruch gesäumt. Die Sterne leuchteten hell genug, die Stromfahrt trotz der Nacht wagen zu lassen. Das Boot wurde losgebunden und nach der Mitte des Flusses gesteuert, wo sich die Niam-niam kräftig in die Ruder legten. Sie hatten, während sie auf den Grauen warteten, gegessen und sich ausgeruht, so daß das Boot unter dem Druck ihrer muskulösen Arme mit der Schnelligkeit eines Fisches abwärts schoß, von der kundigen Hand des ‚Sohnes des Geheimnisses‘ gesteuert.

Diese Leute waren an das südliche Klima und die hiesigen Verhältnisse gewöhnt; sie konnten selbst außergewöhnliche Anstrengungen vertragen. Anders ist es mit dem Fremden, dem die Sorge für seine Gesundheit die möglichste Schonung seiner Kräfte gebietet. Darum hüllte Pfotenhauer sich in seine Decke und legte sich im Vorderteil des Fahrzeugs nieder, um einige Stunden zu schlafen.

Er kannte den eigentümlichen Reiz, welchen die nächtliche Szenerie des gewaltigen Stromes gewährt, genug, um sich diesen Genuß für heute einmal versagen zu können. Sein Schlaf war tief und lang, denn als er erwachte, stand die Sonne schon hoch über dem Wald von Dalebpalmen, welcher am rechten Ufer stand, in dessen Nähe der ‚Sohn des Geheimnisses‘ jetzt steuerte, und als er die Uhr zog, sah er zu seinem Staunen, daß er bis morgens zehn Uhr geschlafen hatte.

Die Niam-niam arbeiteten jetzt in der Weise, daß nur die Hälfte von ihnen ruderte, um von den andern, wenn diese ausgeruht hatten, abgelöst zu werden. Übrigens hatte das Wasser hier einen so bedeutenden Fall, daß es, um schnell zu fahren, keiner anstrengenden Nachhilfe mittels der Ruder bedurfte.

Zum Essen brauchte man keiner besonderen Pause; wer essen wollte, der aß, wenn er von der Arbeit abgelöst worden war. Getrunken wurde sehr einfach aus dem Fluß, und so suchte man das Ufer während des ganzen Tages gar nicht auf, bis man am späten Nachmittag durch einen Umstand dazu gezwungen wurde, welcher den Insassen des Bootes beinahe gefährlich geworden wäre.

Man näherte sich einer scharfen Krümmung des Flusses. Der konvex vorspringende Rand des rechten Ufers machte, daß man nicht sah, was jenseits dieser Krümmung lag und geschah. Da stand der Steuermann von seinem Platz auf, hielt die Hand muschelförmig an das Ohr, lauschte einige Augenblicke nach vorn und sagte dann: „Schu haida! Rina – was höre ich! Einen Gesang!“

„Wo? Auf dem Fluß?“

„Ja. Es kommen Menschen. Wer mag das sein? Doch nicht etwa Abu el Mot mit seinen Schiffen?“

„Wir dürfen uns nicht sehen lassen. Also rasch an das Ufer!“

„An welches?“

„An das linke, denn dort ist Schilf, in dem wir uns verbergen können; hier am rechten aber gibt es wenig davon.“

Der ‚Sohn des Geheimnisses‘ gehorchte und steuerte nach links. Als das Boot so weit hinüber war, daß man um die Krümmung blicken konnte, nahm der Graue sein Fernrohr zur Hand. Kaum hatte er es angesetzt, so rief er erschrocken: „Schnell zurück, zurück nach rechts, sonst werden wir entdeckt! Ich sehe zwei Schiffe, aber auch Menschen, welche am Ufer laufen.“

Sofort riß der Steuermann das Ruder auf die



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